Auf einem Auge weinen

Der Nachhauseweg ist wieder endlos. 20 Minuten, gefühlte zwei Stunden. Die Straßenbahn kriecht. Meine Beine sind schwer. 

Ich will endlich zur Ruhe kommen. Mich vergraben unter schweren Decken, zwischen unzähligen Kissen. Ewig nicht auftauchen. Hunger. Noch 56 Stufen bis in den dritten Stock.

Überall Fremde. Die Musik ist plötzlich viel zu laut. Beklemmend, rasendes Herz, stille Atemnot, winzige Pupillen. Ich höre nichts. Blockierte Ohren. Fest klammere ich mich an das eisgekühlte Glas in meiner Hand.

Mittendrin, doch unbemerkt, beobachte ich die Menge. Alles redet, alles lacht. Ich sehe die leuchtenden Augen, die unbeschwerten Bewegungen. Ich dagegen bleibe unsichtbar. Jeder Versuch scheitert. Statt selbst zu Leben, sehe ich anderen dabei zu. 

Absolute Stille. Ich bin ganz für mich allein. Wenn ich die Tür schließe, kann mir nichts passieren. Hier kann ich die sein, die ich bin. Kein Bauch einziehen, Frisur egal, raus aus der engen schwarzen Jeans. Ein Gefühl der Erleichterung. Doch die Entäuschung wiegt schwerer.

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