versonnen

Dass er verrückt nach ihr war, war eindeutig. Nie zuvor kannte sie einen Mann, der so viel Nähe beanspruchte. Nach vier Wochen liebte er sie. Dass er ihren Körper vergötterte, erwähnte er nur allzu oft. Seine Errektionen verieten, dass es keine Lüge war.

Sie verschwand unter der Dusche. Wahrscheinlich würde sich gleich eine Migräne breitmachen. Die Arbeit in der Agentur hatte sie erschöpft, doch ihr Kopf war hellwach.

Müde ließ sie sich auf das Bett fallen. Begehrlich fuhren seine Hände unter das Handtuch in das sie noch immer eingewickelt war. Schoben sich über ihre Pobacken, während sein Gesicht dazwischen tauchte.

Meine Kolleginnen nie wieder zu sehen, würde mir nichts ausmachen. Trotzdem schiebe ich es seit Monaten vor mir her, eine neue Stelle zu suchen. Dabei ist mein Verdienst lächerlich. Ohne Kinder und mit der günstigen Wohnung, ich müsste sorgenfrei sein. In Wahrheit ist am Ende des Monats Ebbe. … Wenigstens hat Dich jemand angestellt, sei gefälligst dankbar. Ich schaffe es jeden Morgen in die Agentur zu gehen, mehr kann man nicht verlangen. Zwar unmotiviert und lustlos, aber ich gehe. … Ich gebe zu, meine Versagensangst ist einfach zu groß. Ich bin gerade nicht stark genug, um mich dem Wettbewerb im Arbeitsmarkt zu stellen. Ich will nicht scheitern. Zu scheitern wäre das Schlimmste.

Tief ließ er seine Zunge über ihre hintere Körpermitte gleiten.

Dieses Land steht kurz vor einem Krieg, sagen die Anderen. Wie lange haben wir uns vor diesem Moment gefürchtet, sagen die Anderen. Im Alltag macht es sich nicht bemerkbar. Ich verstehe die Panik nicht, verstehe die Angst nicht. … Die Leute übertreiben. Es sind doch nur Worte. Niemand wird ernsthaft angreifen. Atomwaffen hin oder her. Niemals. … Aber wenn es doch passiert, bin ich dann die Naive? Die Überraschte? Die, die darüber lachte. Die Unvorbereitete, die als eine der Ersten umkommt? Kreischend ins Verderben? Und wenn schon. Es kommt nicht oft vor, dass ich die Optimistische von Allen bin.

Mit seiner feuchten Zungenspitze drang er immer wieder sanft in sie ein. Nie spürte er größere Erregung, wie wenn sie sich seinetwegen öffnete.

Wie soll ich soviel Geld auftreiben? 8.445 Euro… Seit Jahren fürchte ich mich. Vor dem Brief. Vor der Summe. Ich fürchtete sie, wie ich fürchtete, dass meine Großeltern starben. Das Unvermeidliche. Der Brief, der das Darlehen zurückfordert. Zumindest die Hälfte. 16.890 Euro hatte ich vom Staat bekommen. Monat für Monat. Pünktlich zum letzten Werktag des Januars, des Februars und so weiter. Ich lebte wie eine Königin. Reiste nach Asien, nach Amerika und durch ganz Europa. Mir mangelte es an wenig. Ich war bescheiden und sparsam und ein wenig schlau. Ich wusste zu Haushalten. … Und trotzdem drückt mir die Summe auf die Brust. Wünschte, ich wäre durch die Maschen der Behörden gefallen. Unbemerkt. … Doch einer der Mitarbeiter fand meinen Namen in den Akten. Er schrieb den ersten Brief. Errechnete 8.445 Euro.

Atemlos drückte er seinen Mund auf ihr Loch. Sein Kopf verschmolz mir ihrer Genitalie.

Ich hätte gern ein Baby. Einen Nachkommen, um nie wieder allein zu sein. Jemand, der mich besucht, wenn ich alt und krank und noch unerträglicher bin. Der mir Enkel schenkt. Ich will eine Oma sein. Aber zuerst eine Mutter. Ich will spüren wie in meinem Unterleib, aus meinen Zellen, ein neues Lebewesen entsteht. Wie ein laufendes Ei sein. Will das neue Menschlein aus meinem Schoß pressen. Will den legendären Schmerz spüren, der die Geburt begleitet. … Ich habe so wahnsinnig viel Liebe in mir, die raus muss. Wo soll sie hin? Ich hätte gern ein Kind. Ein eigenes Kind. Mein eigenes Kind.

Er liebe, wie sie sich unter ihm gehen lassen könne, flüsterte er ihr ins Ohr. Verschränkte seine Hand mit ihrer, zog die Bettdecke über ihre beiden Körper. Sie verstand nicht, doch um zu widersprechen fehlte ihr gerade die Kraft. Sie schlug die Augen zu. Ein kleiner stechender Schmerz über ihrem rechten Auge kündigte eine Migräne an. Sie schnaufte. Ihre Brust zog sich zusammen. Sie wäre gern allein gewesen, doch er störte sie auch nicht so sehr um ihn aufzufordern zu gehen.

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